Die freeTOX-Diät

14. November 2019 0 Von Raw Spirit

Die freeTOX-Diät

(Rating: 55%)


” Neueste Studien belegen: Entzündungen im Körper beeinflussen unseren Fettstoffwechsel und unser Gewicht. Zucker, Alkohol und oft auch glutenhaltiges Getreide bewirken eine Überaktivität des Immunsystems und die rasche Bildung von Fettzellen, die Entzündungsprozesse im Körper befördern. Um (wieder) abnehmen zu können, müssen diese Entzündungen eingedämmt werden. Dabei helfen entzündungshemmende Lebensmittel.
Der Abnehmexperte und Bestsellerautor Dr. Dr. Michael Despeghel zeigt die Zusammenhänge zwischen Fettstoffwechsel, Übergewicht und verschiedenen Folgekrankheiten auf. Mit der Freetox-Diät legt er einen 28-Tage-Ernährungsplan vor, der Entzündungen behebt, das Gewicht reduziert, den Darm entlastet und das Immunsystem wieder in Balance bringt. “



Heute geht es um eine neue Diät! Die Freetox Diät und um gleichnamiges Buch von Frau Doris Mullar und Dr. Dr. Desperghel. Wer meine Geschichte des Abnehmens und der Diäten kennt, wird wissen dass dieser Titel sofort negative Assoziationen weckt und ich also beim Lesen mit einem negativen Grundgefühl gestartet bin. Der Fokus des Buches ist wie vom Titel schon ableitbar auf die Entgiftung gelegt, ähnlich den Detox Diäten, allerdings hier auch besonderer Fokus in der Aufklärung bzgl. der damit einhergehenden Entzündungen und negativen Folgeerscheinungen einer Ernährung mit ungesunden Nahrungsmittel.

Die 3 größten Ernährungssünden sieht das Autorenteam von Dr. Michael Despeghel und Doris Mullar in Weissmehlprodukten, Zucker und Alkohol. Und damit sind sie schon ziemlich am Nabel der Zeit. Auch betonen sie die Wichtigkeit von grünen Gemüse und frischem Obst. Auch hier kann man nur sagen, die beiden sind konform mit aktuellen wissenschaftlichen Aussagen und bei mir kam so langsam das Gefühl, dass dieses Buch dann sich evtl. dann doch von irgendwelchen xyz Diäten abheben könnte. Das Buch beginnt mit einem ausführlichen Theorieteil. Da es schon in Glaubenskriege ausartet was eine gesunde Ernährung angeht, werde ich einfach mal meine persönliche Meinung zurückstellen und lediglich Vergleiche ziehen mit den aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft, sprich auch den Empfehlungen der WHO, der Weltgesundheitsorgansisation.

Und da taucht auch schon relativ schnell eine große Diskrepanz auf wenn es um die Bewertung der Kohlenhydrate geht. Während die WHO eine pflanzendominierende kohlenhydratreiche Kost als gesündeste Ernährung ansieht, was sich im Übrigen auch mit aktuellen Studien und wissenschaftlichen Publikationen deckt, ist das Autorenteam sichtlich überzeugt das eine Kohlenhydratreiche Ernährung nicht zu empfehlen ist. Wie gesagt ich lasse das einfach mal so stehen. Die Autoren begründen ihre Sichtweise auch durchaus stringent mit Argumenten, die allerdings schon vor knapp 30 Jahren von Atkins ins Feld geführt wurden und heute als nicht mehr aktuell zu bezeichnen und entkräftet worden sind. Immer ausgehend von der Wissenschaft und nicht von Youtubekanälen oder selbst ernannten Bestsellerautoren.

Gerade im Sportbereich dem auch Dr. Dr. Desperghel angehört hält sich die proteinreiche Ernährung aufgrund der schnellen kurzfristigen Effekte immer noch hartnäckig. Auch dieses Buch hat den Slogan gesund und schnell abnehmen mit 28 Tagen. Und in der Tat mit einer proteinreichen Ernährung nimmt man tendenziell schneller ab als mit einer Kohlenhydratreichen. Aber am Ende des Tages interessieren uns nicht 28 Tage, sondern wir streben alle ein gesundes Leben an und entsprechend, sollte wir unsere Ernährung auf eine dauerhafte und sinnvolle, von der Wissenschaft gedeckte Ernährung ausrichten. Aber Dr. Desperghel schafft es im Theorieteil dennoch zu überzeugen, wenn man die antiquierte Meinung über Kohlenhydrate mal außen vorlässt.

Allerdings fällt beim Lesen des Buches eine sehr restriktive und unseriöse Ausdrucksweise immer wieder ins Auge. Gerade bei der Ernährungswissenschaft, die sich immer weiter entwickelt und sich schon häufiger auch mal komplett revidieren musste, erscheint es einfach als unseriös, von NUR SO und die RICHTIGE Ernährung zu sprechen. Der Autor ist komplett überzeugt dass es nur die EINE richtige Ernährung für alle gibt. Traditionelle Gesundheitslehren wie TCM oder Ayurveda haben genauso wie aktuelle wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Ernährung durchaus individuell verschieden optimiert werden kann und sollte. Dies liegt auch in der unterschiedlichen Biofunktionalität der Lebensmittel im Zusammenspiel auf die indiduelle Genetik begründet.

Da hat Dr. Desperghel noch einiges an Nachholebedarf und ein wenig Demut in den Formulierungen verkauft sich evtl. nicht so gut, aber würde dem reflektierten Leser doch ein besseres Grundgefühl verschaffen. Auch die Produktplatzierung seines Dr. Dr Despergehls Kräutertee innerhalb des Theorieteils wirkt etwas deplatziert. Ebenso vermisst man eine genaue Quellengabe, wenn Dr. Dr. Desperghel schreibt „Forscher haben herausgefunden“ Es ist zwar ein Literaturverzeichnis angegeben, aber es kann wohl kaum als seriös angesehen werden, dass man alle 20 angegebenen Bücher nach der einen Stelle durchsuchen muss um herauszufinden wo Dr.Dr.Desperghel die genannte Information herhat. Gerade da Dr. Dr. Desperghel nun auch mit dem akademischen Gepflogenheiten vertraut sein sollte ob seiner vielen Doktortitel erweckt diese fehlenden Quellenangaben nicht wirklich Vertrauen.

Auch vermisst man im Theorieteil den klaren Hinweis darauf dass tierische Produkte allen voran Milch & Milchprodukte gerade was Entzündungen angeht ganz weit oben auf der Liste der Dinge sind die selbige vorantreiben. Warum das so ist wird spätestens im Praxisteil deutlich. Dort werden Milchprodukte in den Rezepten verwendet, teilweise sogar dann wenn es bekannte Alternativen gibt, die keine oder nur wenig entzündliche Prozesse in Gang setzen. Das ist dann schon meiner Meinung nach sehr bedenklich und schon ein ziemliches Brett in einem Buch was sich auf die Fahnen geschrieben hat entzündungshemmende gesunde Nahrung zu sich zu nehmen, Milch & Milchprodukte in die Rezepte zu nehmen.

Man kann auch hier nur davon ausgehen, dass Dr. Dr Desperghel einfach zugunsten der Praxistauglichkeit und damit höherer Verkaufszahlen Abstriche gemacht hat. Immerhin weist er darauf hin dass tierische Produkte nicht im Übermaß konsumiert werden sollen. Wenn man dann allerdings das Rezept für die Maisquiche betrachtet wo für 1 Person knapp 40g Butter veranschlagt werden, dann irritiert das genau so, wie wenn er auf Seite 52 sagt, dass Fertigwürzen, Soßen und Streuwürzen ein absolutes No Go in der Freetox Ernährung sind, er aber für den ersten Einkauf und Start in die Freetox Woche auf Seite 63 empfiehlt immer Instant Brühe dazu haben.

Im Praxisteil hat man dann viele Rezepte die geschmacklich schon intuitiv sehr lecker daherkommen und deren Zubereitung wirklich sehr einfach daherkommt und praktisch gut umzusetzen ist. Wenig bis keine exotische Zutaten runden den angenehmen Ersteindruck der Rezepte ab. Leider entdeckt man auch hier viele Dinge die einen an der ernsthaften Zielsetzung einer gesunden Ernährung zweifeln lassen. Da werden Gurken von der Schale befreit, obwohl in der Schale die wertvollsten Inhaltsstoffe sind. Da wird rote Beete nur vorgekocht und eingeschweißt verwendet, sowohl in Salaten wie auf 106 als auch in Suppen wie auf S. 102. Pfannkuchen werden natürlich mit Milch und Ei gemacht anstatt auf entzündungsreduzierende Alternativen die es zahlreich zu finden gibt zurückzugreifen. Auch wird lieber mit Sojasahne oder Eiswürfel eine Sämigkeit erreicht, als mit Bananen.

Die Rezepte sind schön bebildert und erhöhen dadurch natürlich die Motivation die Gerichte auch nachzukochen. Zumindest bis zu dem Punkt wo man im Anhang im Bilderverzeichnis erkennt, dass 95% der Bilder von den Rezepte, einfach aus dem Internet kopiert wurden und im Endeffekt nichts mit dem Rezept zu tun haben. Außer dass man bei einer Quiche eben ein Bild einer Quiche aus dem Netz gezogen hat. Am Ende des Buches gibt Dr. Dr. Desperghel noch einige psychologische Tipps und auch einen kleinen Trainingsplan und zeigt damit noch sinnvollerweise auf dass eine gesunde Lebensweise auch mit einem gesunden Geist und einer ausreichenden Bewegung einhergeht. Das ist durchaus als positiv zu bewerten.

Für wen ist das Buch denn nun aus meiner Sicht geeignet? Wo kann man eine Kaufempfehlung aussprechen. Also diejenigen die komplett keine Ahnung von Ernährung haben und die einfach mal irgendwie etwas gesünder sich ernähren wollen, nicht bombadiert werden wollen mit wissenschaftlichen Studien und Analysen sondern eine einfache Quintessenz präsentiert bekommen wollen. Dabei auch kein Wert auf eine komplette Stringenz legen und entsprechend nicht maximal gesund, sondern eben nur etwas gesünder leben wollen, für diejenigen kann ich durchaus eine Kaufempfehlung aussprechen. Für alle Menschen die schon ein gewisses Grundlagenwissen in der Ernährung haben und/oder ein gewisses Maß an Seriösität in einem Ernährungsbuch erwarten muss ich definitiv sagen, dass man hier vorsichtig sein sollte.

Angefangen von der antiquierten Meinung über Kohlenhydrate, über eine fehlende letzte Konsequenz in der Umsetzung des im Theorieteil erarbeiteten Wissens bis hin zu sich widersprechenden Theorie und Praxis Teil wird da schon eine unseriöse Stimmung aufgebaut. Da wenn ich im Supermarkt einkaufen gehe und die Wagen der Leute betrachte wir in Deutschland viele Menschen haben die wohl eher überhaupt keine Ahnung von Ernährung haben, gebe ich dem Buch insgesamt sogar 55%. Da es als Einstieg und Grundverständis durchaus seine Berechtigung für eben jene Menschen haben kann. Aber wirklich nur für die.

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Samu

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